Pflegeversicherung – Was zahlt sie, wenn du Hilfe beim Waschen brauchst?
- Pflicht seit 1995: Jeder in Deutschland muss eine Pflegeversicherung haben (SGB XI).
- Zwei Systeme: Es gibt die soziale (via Krankenkasse) und die private Pflegepflichtversicherung.
- 5 Pflegegrade: Je unselbstständiger man ist, desto mehr Geld gibt es (332 € bis über 2.000 € monatlich).
- Wer braucht Privat? Beamte, Selbstständige und Gutverdiener müssen sich privat versichern.
- Steuern sparen: Beiträge sind als Sonderausgaben absetzbar.
- Tipp: Eine private Zusatzversicherung ist oft sinnvoll, da die gesetzliche nicht alle Kosten deckt.
Stell dir vor, deine Oma kann plötzlich nicht mehr alleine duschen. Oder dein Vater vergisst, wie man sich ein Butterbrot schmiert. Das ist traurig, aber leider Realität für Millionen Menschen. Pflege ist harte Arbeit – und sie kostet extrem viel Geld. Ein Platz im Pflegeheim ist oft teurer als ein Luxus-Hotel. Damit niemand daran pleite geht, gibt es in Deutschland die Pflegeversicherung. Als Professor erkläre ich dir, wie dieses Sicherheitsnetz funktioniert.
Was ist Pflegeversicherung?
Die Pflegeversicherung springt ein, wenn du dauerhaft (voraussichtlich für mindestens 6 Monate) Hilfe im Alltag brauchst. Das Ziel ist nicht, dich "gesund" zu machen (das macht die Krankenversicherung), sondern dir das Leben mit Einschränkungen zu ermöglichen.
Dabei geht es um ganz grundlegende Dinge:
- 🚿 Körperpflege (Waschen, Duschen, Zähneputzen)
- 🍔 Ernährung (Essen kleinschneiden, Füttern)
- 🚶 Mobilität (Aufstehen, Treppensteigen)
Sozialversicherung vs. private Pflegepflicht
In Deutschland gilt: "Pflege folgt Krankheit". Das heißt, deine Pflegeversicherung ist dort, wo auch deine Krankenversicherung ist.
1. Soziale Pflegeversicherung (SPV)
Für fast alle Angestellten, Rentner und Arbeitslosen.
Kosten: Ein fester Prozentsatz von deinem Bruttolohn (aktuell 3,4% bis 4%). Dein Chef zahlt davon die Hälfte.
Mehr zur Sozialversicherung ->
2. Private Pflegepflicht (PPV)
Für Beamte, Selbstständige und Gutverdiener (die in der PKV sind).
Kosten: Hängt nicht vom Lohn ab, sondern vom Alter und Gesundheitszustand beim Eintritt. Oft zwischen 30 € und 100 € im Monat.
Die 5 Pflegegrade – Was bekommst du?
Früher gab es "Pflegestufen" (1, 2, 3). Heute gibt es Pflegegrade (1 bis 5). Ein Gutachter (vom MDK) kommt nach Hause und prüft, wie selbstständig jemand noch ist. Er vergibt Punkte. Je mehr Punkte, desto höher der Grad und desto mehr Geld gibt es.
| Pflegegrad | Hilfebedarf (Beispiel) | Pflegegeld (Bar) | Sachleistung (Dienst) |
|---|---|---|---|
| PG 1 | Geringe Beeinträchtigung (z.B. Hilfe beim Medikamente sortieren) | 0 € | bis 125 €* |
| PG 2 | Erhebliche Beeinträchtigung (z.B. 3x pro Woche Hilfe beim Duschen) | 332 € | 761 € |
| PG 3 | Schwere Beeinträchtigung (Tägliche Hilfe beim Anziehen/Essen) | 573 € | 1.432 € |
| PG 4 | Schwerste Beeinträchtigung (Vollpflege, kann kaum alleine etwas tun) | 765 € | 1.778 € |
| PG 5 | Härtefall (Intensivpflege, Bettlägerig, kaum ansprechbar) | 947 € | 2.200 € |
*PG 1 erhält nur den Entlastungsbetrag. Werte ca. Stand 2025.
Welche Versicherungen sind noch Pflicht?
Wer braucht eine private Pflegeversicherung?
Hier gibt es zwei Bedeutungen.
- Die private PFLICHT-Versicherung: Die brauchst du, wenn du privat krankenversichert bist (z.B. als Selbstständiger). Das ist Gesetz.
- Die private ZUSATZ-Versicherung: Die braucht fast jeder! Warum? Weil die gesetzliche Kasse nur einen "Zuschuss" zahlt (Teilkasko). Ein Platz im Pflegeheim kostet oft 4.000 € im Monat. Die Kasse zahlt bei Grad 5 ca. 2.200 €. Den Rest (1.800 €) musst du jeden Monat aus der eigenen Tasche zahlen. Wenn dein Geld leer ist, müssen manchmal sogar deine Kinder zahlen.
Die Pflegelücke
Die Differenz zwischen dem, was das Heim kostet, und dem, was die Kasse zahlt, nennt man "Pflegelücke". Eine private Pflege-Tagegeldversicherung schließt diese Lücke.
Wichtige Tipps für die Pflegeversicherung
- Früh anfangen: Je jünger du bist, desto gesünder bist du. Und desto billiger ist eine Zusatzversicherung. Ein 30-Jähriger zahlt oft nur 15 € im Monat, ein 60-Jähriger über 80 €.
- Deckung prüfen: Wenn du eine Zusatzversicherung machst, sollte sie mindestens 1.500 € pro Monat im Pflegefall zahlen, damit es reicht.
- Steuer: Du kannst die Beiträge zur Pflegepflichtversicherung (und oft auch zur Zusatzversicherung) als "Sonderausgaben" in der Steuererklärung absetzen.
Mehr zu steuerlich absetzbaren Versicherungen
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist Pflegegrad 3? ▼
Pflegegrad 3 bedeutet "schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit". Man braucht täglich mehrmals Hilfe, z.B. beim Anziehen, Waschen oder im Haushalt, kann aber noch ein bisschen mithelfen.
Brauche ich als GKV-Versicherter eine private Pflegezusatz? ▼
Oft ja. Die gesetzliche Pflegeversicherung ist nur eine "Teilkasko". Ein Platz im Pflegeheim kostet oft 2.500 € mehr im Monat, als die Versicherung zahlt. Diese Lücke musst du selbst schließen.
Kann ich Pflegegeld oder Sachleistung wählen? ▼
Ja. Pflegegeld bekommst du aufs Konto zur freien Verfügung, wenn dich Angehörige (z.B. Tochter) pflegen. Pflegesachleistung bedeutet, dass ein professioneller Pflegedienst kommt und direkt mit der Kasse abrechnet (der Betrag ist höher).
Was passiert bei Demenz? ▼
Früher gab es dafür wenig Geld. Seit 2017 werden Menschen mit Demenz (geistige Einschränkung) genauso eingestuft wie körperlich Pflegebedürftige. Sie rutschen oft direkt in höhere Pflegegrade, weil sie im Alltag viel Betreuung brauchen.
Kann ich die Pflegeversicherung kündigen? ▼
Nein, die Pflegepflichtversicherung ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben (genau wie die Krankenversicherung). Eine private Zusatzversicherung kannst du natürlich kündigen.
Bundesministerium für Gesundheit, Verbraucherzentrale Pflege, GKV-Spitzenverband